2. Satz der Rosette zu drei Stimmen, op. 7,
von Johann Sengstschmid

Analyse (1)

Die Rosette zu zwei Stimmen, op. 2, sowie die Rosette zu drei Stimmen, op. 7, von Johann Sengstschmid basieren auf den gleichen 91 Zwölftonreihen, welche dadurch entstehen, daß die Zwölftonreihe





a


cis


g


b


e


d


gis


es


fis


h


f


c
 



im Sinne einer Rosettenform nach den Prinzipien der großen Abwandlung (1 Außenrotation) sowie der kleinen Abwandlung (13 Binnenrotationen) permutiert wird. Diese Rotationen sind kompositorisch hörbar gestaltet, indem jeder Satz notengetreu oder sinngemäß in seinen Anfang mündet und indem sich auch die Satzfolge dadurch, daß der letzte Satz notengetreu dem 1. Satz entspricht, wie ein Kreis schließt. Der Titel stammt daher, weil das graphische Bild der Rotationen assoziativ an die Fensterrose (Rosette) einer gotischen Kathedrale erinnert.

Als Ausgangsreihe für den 2. Satz fungiert das 2. Abwandlungsglied der großen Abwandlung, bei welcher der 1. Reihenton an die 12. Stelle wandert, während die übrigen Töne um einen Platz vorrücken:





cis


g


b


e


d


gis


dis


fis


h


f


c


a
 



Diese rotiert nun nach dem Prinzip der kleinen Abwandlung.




Die Klangreihenbildung erfolgt fortlaufend, das heißt, die ersten Klangreihenakkorde sowie die harmoniefremden (akkordfremden) Töne (Reminiszenztöne u.dgl.) orientieren sich nach dem Klangreihenende des vorangegangenen 1. Satzes, und dieses lautet (in der Version der dort aufnotierten komprimierten Klangreihe):



Zwölftonreihe:


a


cis


g


b


e


d


gis


es


fis


h


f


c


 
cis
...

Klangreihenbildung
nach Dreitongruppen:
  
 
  
c+cis+d:
cis
des
des
cis
d
d
c
 
cis
...
a+ais+h:
a
a
b
b
ais
h
h
 
h
...
fis+g+gis:
ges
g
g
g
gis
fis
ges
 
fis
...
dis+e+f:
f
f
f
e
es
es
f
 
f
...



Somit ergibt sich als Klangreihe zum 2. Satz die nachstehende Akkordfolge:




Zwecks Erklärung der harmoniefremden (akkordfremden) Töne sei etwa der 32. Klangreihenakkord der obigen Klangreihe als Demonstrationsobjekt herausgegriffen. Bei ihm ließe sich folgende fiktive Situation ablesen:




Analog dazu wären dem 1. Klangreihenakkord folgende harmoniefremde (akkordfremde) Töne zuzuordnen:

 



(x)


x


Akkordtöne
des
1. Akkords:


+


(+)

 

 

d
c
cis
d
c

 

a
ais
h
b
h

 

g
gis
fis
g
gis

 

e
es
f
e
dis



Sengstschmid, Rosette, op. 7, 2. Satz, Analyse:



------------------

dreistimmiger Satz mit Reminiszenztönen:
------------------

Kleine Abwandlung:
------------------



x = Reminiszenzton, (x) = Reminiszenzton des Reminiszenztones, + = Antizipationston (siehe unter Reminiszenzton)

Weiterführende Informationen siehe:

Gegenüberstellung der 3 Wiener Zwölftonschulen
Klangreihenmusik
Klangreihenmusik (Gesamtüberblick)
Klangreihenmusik: Musik mit neuer "Antriebskraft"
Elemente der Renaissance- und Barockmusik in der Klangreihenmusik

Othmar Steinbauer
Johann Sengstschmid

Hörbares im Internet
Publikationen (Noten)
einführende und erklärende Worte (Überblick)
Verzeichnis der Skriptumblätter
Fachbegriffe (Stichwortverzeichnis)

Zwölftonreihe
Genütztes und ungenütztes Formangebot
Permutation, Rotationsprinzipien
große Abwandlung
kleine Abwandlung
Rosette und Rosettenstruktur


Allgemeines zur Klangreihe
Komprimierte Klangreihe
Reminiszenztöne
Das Komponieren mit Klangreihen

Der unbegleitete einstimmige Satz ohne Reminiszentöne (nach Dreitongruppen erstellte Klangreihen)
Der akkordisch begleitete einstimmige Satz mit Reminiszentönen (nach Dreitongruppen erstellte Klangreihen)
Der zweistimmige Satz ohne Reminiszenztöne (nach Dreitongruppen erstellte Klangreihen)
Der zweistimmige Satz mit Reminiszenztönen (nach Dreitongruppen erstellte Klangreihen)
Der dreistimmige Satz mit Reminiszenztönen (nach Dreitongruppen erstellte Klangreihen)
Der akkordisch begleitete einstimmige Satz mit Reminiszentönen (in freier Harmonisierung erstellte Klangreihen)
Der dreistimmige Satz ohne Reminiszenztöne (Parallele Klangreihen)
Der dreistimmige Satz mit Reminiszenztönen (Parallele Klangreihen)
Der vierstimmige Satz ohne Reminiszenztöne (Parallele Klangreihen)
Der vielstimmige Satz ohne Reminiszenztöne (Parallele Klangreihen)

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