Sonate für Violine und Klavier Nr. 1, Werk 15,
von Othmar Steinbauer

Form und Struktur (8)

  • Takt 20 und 21:

    Abgesehen von bereits behandelten Vorgängen in Klangreihenaufbau und kompositorischer Gestaltung verdienen folgende Stellen eine besondere Erwähnung:

    Der 95. Klangreihenakkord ges-as-h-es wird durch Gabelung erreicht; dabei übernimmt Steinbauer, wenn man den Part der rechten Klavierhand betrachtet, den einen obligate Sekundschritt b-as direkt und den anderen obligaten Sekundschritt b-h indirekt über die Folge b-as-h in die kompositorische Gestaltung. Gleichzeitig tritt das "h" frei, also ohne Sekundbindung, in der linken Klavierhand ein.

    Durch Zusammenfließen bei gleichzeitigem Liegenbleiben von beiden Akkordtönen wird die Klangreihe beim 96. Klangreihenakkord fis-gis-h-cis-dis fünfstimmig.

  • Takt 22 bis 24:

    Die mit dem 97. Klangreihenakkord e-gis-h-cis durch Zusammenfließen wieder vierstimmige Klangreihe bleibt beim Übergang zum 100. Klangreihenakkord e-f-a-c noch immer vierstimmig, weil der Komponist einerseits zum Klangreihenton "c" durch Zusammenfließen und andererseits zum Klangreihenton "f" durch Abzweigung gelangt.

    Die abermalige Fünfstimmigkeit des 102. Klangreihenakkordes d-f-g-a-c ergibt sich durch eine Abzweigung.

    Beim Übergang zum 104. Klangreihenakkord d-es-ges-a-c werden verschiedene Fortschreitungsvarianten kombiniert. Hier begegnet man zwei Gabelungen: einerseits führt der Klangreihenton "g" sowohl in den Klangreihenton "ges" (obligater Sekundschritt) als auch in den Liegeton "a" (Einmündung), andererseits führen die beiden obligaten Sekundschritte f-ges und f-es in die Klangreihentöne "es" und "ges". Noch im Bereich dieses 104. Klangreihenakkordes mündet der Klangreihenton "d" in das "c" ein, wodurch die Klangreihe vierstimmig wird.

    Die Dreistimmigkeit des 106. Klangreihenakkordes es-as-ces wird über die obligate Sekundschritte c-ces sowie a-ces durch Zusammenfließen erzielt.

    Aus der Abzweigung ces-des resultiert der vierstimmige 107. Klangreihenakkord es-as-ces-des, welcher über den obligaten Sekundschritt ces-b und die Einmündung des-es unter Beibehaltung des Liegetones "des" in den 108. Klangreihenakkord es-as-b-des hineinführt.

    Durch Zusammenfließen über die obligaten Sekundschritte b-c und des c ergibt sich der 109. Klangreihenakkord es-as-c.

    Der weitere Fortgang der Klangreihe bringt keine neuen Gesichtspunkte.




Steinbauer, 1. Violinsonate, Form und Struktur:
Satztechnik (Details):



------------------
------------------





x
x!
xx
+
R
=
=
=
=
=
Reminiszenzton
"übertragener" Reminiszenzton

Reminiszenzton des Reminiszenztones

Antizipationston (siehe unter Reminiszenzton)

Zwölftonreihe


Folge der Skriptumblätter zu Steinbauers 1. Violinsonate:

Reihenfundus aller vier Sätze,

Reihengrundlage des 1. Satzes,
Klangreihe des 1. Satzes, Analyse des 1. Satzes,
Reihengrundlage des 2. Satzes, Kanonphasen im 2. Satz,

Reihengrundlage des 3. Satzes, Analyse des Variationsthemas (3. Satz),
4. Satz: die ersten Kanonphasen zu Satzbeginn, Form und Reihentranspositionsplan, thematisches Material.

Hörmöglichkeit des 1. Satzes



Weiterführende Informationen siehe:

Gegenüberstellung der 3 Wiener Zwölftonschulen
Zwölftonmusik
Zwölfton-Notenschriften

Erklärung der Verzierungen
Klangreihenmusik
Zur Einführung in die Klangreihenmusik

Klangreihenmusik: Musik mit neuer "Antriebskraft"
Elemente der Renaissance- und Barockmusik in der Klangreihenmusik

Klangreihenmusik (Gesamtüberblick)

Josef Matthias Hauer
Hauers Trope

Skriptumblätter zur Hauerschen Trope

Reihung der Tropenhälften
Zwölftonspiel - kreatives Spielen - Klangreihenkomposition


Othmar Steinbauer

Eigenschaften der Klangreihenmusik
Werkeinspielungen im Internet
Sonate für Violine und Klavier Nr. 1 von Othmar Steinbauer:
Wiedergabe der Noten zum 1. Satz

einführende Worte zur 1. Violinsonate von Othmar Steinbauer


Notenverzeichnis


Verzeichnis der Skriptumblätter


Fachbegriffe (Stichwortverzeichnis)


Zwölftonreihe

"offene" und "geschlossene" Form einer Zwölftonreihe

Transpositionskette einer Zwölftonreihe

Genütztes und ungenütztes Formangebot

Permutation
, Rotationsprinzipien
große Abwandlung

kleine Abwandlung


Allgemeines zur Klangreihe
Komprimierte Klangreihe

in freier Harmonisierung erstellte Klangreihe

Skriptumblatt zum Beginn des "Dissonanzenquartetts" von W. A. Mozart

Das Komponieren mit Klangreihen

Reminiszenztöne

unechte Reminiszenztöne


Der akkordisch begleitete einstimmige Satz mit Reminiszentönen

Links
Linkregister (öfters gesuchte Links)

zurück zu: Seite 1



Hinweis: Um Musik hören zu können, vermag man ein entsprechendes Programm kostenlos aus dem Internet herunterzuladen und zu installieren (zum Beispiel www.winamp.com oder www.real.com).