Entwicklung von Figurationsmodellen (6)


Metamorphose nach
Johann Sebastian Bachs Beginn der Nr. 3, BWV. 999,

aus den "Zwölf kleinen Praeludien":


Charakteristisch für die Baßlinie des Kleinen Praeludiums Nr. 3
ist das gegen Ende eines jeden Taktes von oben kommende Hineintröpfeln in den Zielton durch zwei Achtelnoten.

Auf den Klangreihenbereich läßt sich das übertragen, indem man für die Zieltöne die Töne des Melodiefadens nimmt und aus dem jeweiligen Klangreihenakkord die herabtröpfelnden Achtel gewinnt:

Der 1. Ton des Melodiefadens ("e") bleibt wegen des Stückanfangs ohne vorherige Achtelzutat.

Der 2. Melodiefadenton "gis" wird durch die beiden höher liegenden Akkordtöne erreicht: dis-h-gis.

Der in der ursprünglichen Vorlage vorhandene obligate Sekundschritt gis-g wird beibehalten, sodaß die in den 3. Melodiefadenton "g" hineinführende Achtelfigur mit dem darüberliegenden Akkordton "h" beginnt und somit h-gis-g heißt.

Der weitere Baßlinienverlauf wird nach dem gleichen Prinzip fortgesetzt.

Bei der Ableitung der drei Akkordtöne, aus denen das Figururationsmodell der Oberstimme gebildet wird, geht man folgendermaßen vor, wobei jede Takthälfte als Einheit angesehen wird:

Von den vier Akkordtönen eines jeden Klangreihenakkordes läßt man den Ton des Melodiefadens weg (siehe Punkt). Die drei verbliebenen Akkordtöne bilden eine dreitönige Akkordsäule, deren
Position pro Takthälfte so tief wie möglich oberhalb der Baßlinie liegt.

In der 1. Takthälfte des 1. Taktes lautet die Baßlinie e-dis-h;
oberhalb von ihr werden die Akkordtöne "gis", "h" und "dis" so knapp wie möglich positioniert.

Die Baßlinie der 2. Takthälfte des 1. Taktes wurde mit gis-h-gis festgelegt, gleich darüber befinden sich die Akkordtöne "dis", "e" und "h".

Die Fortsetzung erfolgt in analoger Weise.


Die Melodiefaden, bereichert durch die herabtröpfelnden Achtel, kommt in die linke Hand, während die rechte Hand das Figurationsmodell, gewonnen aus den drei Tönen der oben abgeleiteten Akkordsäule, spielt.




Figurationsmodelle:

Satztechnik (Details):



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Inhalt dieser Skriptumblätter: Einführung, Figurationsmodelle nach Nr. 1, Nr. 3, Nr. 5, Nr. 8 aus Bachs "Zwölf kleinen Praeludien" und nach dessen Praeludium Nr. 1 aus dem "Wohltemperierten Klavier I".


Weiterführende Informationen siehe:

Zwölftonmusik
Klangreihenmusik (Gesamtüberblick)

Josef Matthias Hauer

Zwölftonspiel

Zwölftonspiel - kreatives Spielen - Klangreihenkomposition

Kreative Musikerziehung nach Josef Matthias Hauer
Anleitung zur Selbstanfertigung eines modernen Tonstückes:
Rekonstruktion des Zwölftonspiels (11.6.1955) von J. M. Hauer

Eine Schulklasse komponierte in Teamarbeit eine Passacaglia für Klavier (mit Notenwiedergabe)
"Hurra, wir haben komponiert!" (Bericht einer Dreizehnjährigen)
Schulklassen schaffen Zwölftonmusik nach J. M. Hauer
Hauer-Pädagogik in der Schule


Johann Sengstschmid

Johann Sengstschmid: Schriften und ausgewählte Aufsätze


Verzeichnis der Skriptumblätter

Fachbegriffe (Stichwortverzeichnis)

Zwölftonreihe


Allgemeines zur Klangreihe
Das Komponieren mit Klangreihen

Dreitongruppe und Dreitongruppenkombination
Die schematisch nach Dreitongruppen erstellte Klangreihe
Automatische Klangreihen- und Melodiebildung im Überblick

Kreatives Gestalten einer melodischen Linie


Instruktionsmöglichkeit aus erster Hand


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