Nach Dreitongruppen erstellte Klangreihe

Der dreistimmige Satz mit Reminiszenztönen (3)


Infolge der fortlaufenden Klangreihenbildung orientieren sich beim 8. Satz die Zusammensetzung der ersten Klangreihenakkorde sowie die Reminiszenztöne nach dem Klangreihenende des vorangegangenen 7. Satzes, und dieses lautet:




Zwölftonreihe:


...
cis

g


b


e


d
   
es
...
 



Klangreihe:

...

cis
cis

cis

cis

d
   
d
...
 
    ... a a b b b    
b
...
 
    ... fis g g g g    
g
...
 
    ... eis f f e e    
es
...
 



Wie üblich führt in den neuen Ton der Zwölftonreihe ein obligater Sekundschritt, und dieser Tonschritt findet normalerweise Eingang in den musikalischen Satz. Allerdings findet man im Beispiel unten zwei Varianten dieses Stimmführungsprinzips:

In Takt 7 würde normalerweise der Reihenton "f" durch den obligaten Sekundschritt e-f erreicht werden, während der Akkordton "ges=fis" liegen bleibt. Othmar Steinbauer lehrte, daß man in einem Fall, wie er hier vorliegt, zum Reihenton "f" auch durch den hier möglichen Sekundschritt (ges-f in der Unterstimme) gelangen kann, wenn andererseits in Gegenbewegung ein Sekundschritt (also e-fis in der Oberstimme) in den verlassenen Liegeton "fis=ges" zu führen vermag ("Steinbauersche Sekundkreuzung").

Einer gleichgelagerten Situation begegnet man in Takt 4: Der obligate Sekundschritt heißt laut Klangreihe ges-g, der Liegeton "f". Im Sinne der "Steinbauerschen Sekundkreuzung" schreitet in der Mittelstimme der Akkordton "f" in den Reihenton "g", während die Unterstimme den durch den Ton "des" durchbrochenen (modifizierten) Sekundschritt ges-f in Gegenbewegung bringt (Baßführung ges-des-f statt ges-f).

Für die harmoniefremden (akkordfremden) Töne werden ausschließlich Reminiszenztöne und an einer Stelle (im 6. Takt) auch der Reminiszenzton des Reminiszenztones herangezogen: der Akkordton "b" besitzt den Reminiszenzton "a", und dieser selbst den Reminiszenzton "h=ces" (siehe das Skriptumblatt "
Der akkordisch begleitete einstimmige Satz mit Reminiszentönen").

Da ein Reminiszenzton jener Ton des obligaten (!) Sekundschrittes ist, welcher in den Reihenton hineingeführt hat, gilt beim Auftreten der "Steinbauerschen Sekundkreuzung" (Takt 7) das folgende Prinzip: Zum Reihenton "f" gehört weiterhin der Reminiszenzton "e", und nicht "ges"; folglich ist dem Akkordton "fis=ges" (siehe in der Oberstimme) der Reminiszenzton "gis=as" zuzuordnen, und nicht "e".

Die scharf-dissonanten Intervallzusammenklänge der kleinen Sekund, der großen Septim, der kleinen Non etc. werden "aufgelöst", indem eine Stimme in Seitenbewegung (etwa in Takt 3, in Takt 5 u.a.) oder zwei Stimmen in Gegenbewegung (etwa in Takt 2, beim Taktübergang 2 zu 3 u.a.) stufenweise aus jenem Intervall hinausführen, wobei dies auch über Reminiszenztöne zu geschehen vermag. Bei der Ausgestaltung einer Akkordzerlegung (Takt 1: Septim es-d zwischen Unter- und Mittelstimme) kann eine solche "Dissonanzbehandlung" unterbleiben.



x

xx

=
=

Reminiszenzton
(harmoniefremder bzw. akkordfremder Ton)
Reminiszenzton des Reminiszenztones



Hörmöglichkeit des 8. Satzes

Weiterführende Informationen siehe:

Johann Sengstschmid
Fachbegriffe (Stichwortverzeichnis)
Allgemeines zur Klangreihe

Dissonanzbehandlung in der Klangreihenmusik
Rosettenform


Überblick über Klangreihen-Satztechniken:

Allgemeines zur Klangreihen-Kompositionstechnik
Der aufgelockerte Klaviersatz ohne Reminiszentöne (nach Dreitongruppen erstellte Klangreihen)
Der unbegleitete einstimmige Satz ohne Reminiszentöne (nach Dreitongruppen erstellte Klangreihen)
Der akkordisch begleitete einstimmige Satz mit Reminiszentönen (nach Dreitongruppen erstellte Klangreihen)
Der zweistimmige Satz ohne Reminiszenztöne (nach Dreitongruppen erstellte Klangreihen)
Der zweistimmige Satz mit Reminiszenztönen (nach Dreitongruppen erstellte Klangreihen)
Der dreistimmige Satz mit Reminiszenztönen (nach Dreitongruppen erstellte Klangreihen)
Der akkordisch begleitete einstimmige Satz mit Reminiszentönen (in freier Harmonisierung erstellte Klangreihen)
Der dreistimmige Satz mit Reminiszenztönen (in freier Harmonisierung erstellte Klangreihen)
Der dreistimmige Satz ohne Reminiszenztöne (Parallele Klangreihen)
Der dreistimmige Satz mit Reminiszenztönen (Parallele Klangreihen)
Der vierstimmige Satz ohne Reminiszenztöne (Parallele Klangreihen)
Der vielstimmige Satz ohne Reminiszenztöne (Parallele Klangreihen)

Publikationen (Noten)
Einführende Worte zu Sengstschmids Kompositionen

Links
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