Nach Dreitongruppen erstellte Klangreihe

Der zweistimmige Satz ohne Reminiszenztöne (1)


Zunächst gilt beim zweistimmigen Satz ohne Reminiszenztöne alles, was bei der Behandlung des einstimmigen Satzes ohne Reminiszentöne bezüglich der Vorformung des musikalischen Materials, der Klangreihenbildung (Art der Harmonisierung) etc. gesagt worden ist
, nur kommen einige Details hinzu:

Wie ein Blick auf die einzelnen Sätze der Rosette zu zwei Stimmen, op. 17, von Johann Sengstschmid zeigt, verteilen sich die Töne der Zwölftonreihe auf alle zwei Stimmen: einige Reihentöne samt den dazugehörigen obligaten Sekundschritten befinden sich in der Oberstimme, die fehlenden enthält die Unterstimme (siehe Skriptumblätter).

Durch geschickte Handhabung der Reihentöne samt den dazugehörigen obligaten Sekundschritten vermag man in einer Stimme ein Zwölftonmelos zu gestalten (siehe Skriptumblatt).

Ab dem zweistimmigen Satz kann die Klangreihe auch komprimiert werden (siehe Takt 4 des 2. Satzes der genannten Rosette zu zwei Stimmen, op. 17, von Johann Sengstschmid, aber auch an drei Stellen im 12. Satz der Rosette zu zwei Stimmen, op. 2, an vielen Stellen des 7. Satzes der Rosette zu drei Stimmen, op. 7, u.a.m.).

Ein besonderes Augenmerk wird dem Zusammenklang einer Prim oder Oktav geschenkt. Hier ist sparsamer Gebrauch angebracht, denn es besteht die Gefahr, daß an solchen Stellen die musikalische Spannung zusammensackt. Unbedenklich sind simultane Prim- oder Oktavintervalle zu Beginn oder am Ende einer musikalischen Phrase (wie etwa im 10. Takt des 5. Satzes jener Rosette).

Eine "Dissonanzbehandlung" ist beim gleichzeitigen Erklingen einer kleinen Sekund, großen Septim oder kleinen Non angebracht. Ein solches hart-dissonantes Intervall wird nach Möglichkeit "aufgelöst", indem eine Stimme in Seitenbewegung stufenweise aus jenem Intervall hinausführt (siehe Takt 1 und Takt 6 des 4. Satzes oder Takt 3 des 2. Satzes jener Rosette) oder indem beide Stimmen jenes Intervall in stufenweiser Gegenbewegung verlassen, wie ein (wenn auch) dreistimmiges Beispiel zeigt. Natürlich gibt es auch Fälle, wo die Dissonanzauflösung unbekümmert unterbleibt, etwa beim Ausgestalten einer Akkordzerlegung (etwa in Takt 9 des 5. Satzes derselben Rosette).



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Weiterführende Informationen siehe:

Johann Sengstschmid
Fachbegriffe (Stichwortverzeichnis)
Allgemeines zur Klangreihe

Dissonanzbehandlung in der Klangreihenmusik
Rosettenform


Überblick über Klangreihen-Satztechniken:

Allgemeines zur Klangreihen-Kompositionstechnik
Der aufgelockerte Klaviersatz ohne Reminiszentöne (nach Dreitongruppen erstellte Klangreihen)
Der unbegleitete einstimmige Satz ohne Reminiszentöne (nach Dreitongruppen erstellte Klangreihen)
Der akkordisch begleitete einstimmige Satz mit Reminiszentönen (nach Dreitongruppen erstellte Klangreihen)
Der zweistimmige Satz ohne Reminiszenztöne (nach Dreitongruppen erstellte Klangreihen)
Der zweistimmige Satz mit Reminiszenztönen (nach Dreitongruppen erstellte Klangreihen)
Der dreistimmige Satz mit Reminiszenztönen (nach Dreitongruppen erstellte Klangreihen)
Der akkordisch begleitete einstimmige Satz mit Reminiszentönen (in freier Harmonisierung erstellte Klangreihen)

Der dreistimmige Satz mit Reminiszenztönen (in freier Harmonisierung erstellte Klangreihen)
Der dreistimmige Satz ohne Reminiszenztöne (Parallele Klangreihen)
Der dreistimmige Satz mit Reminiszenztönen (Parallele Klangreihen)
Der vierstimmige Satz ohne Reminiszenztöne (Parallele Klangreihen)
Der vielstimmige Satz ohne Reminiszenztöne (Parallele Klangreihen)

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